Besichtigungen

Verkaufen, ohne das Haus zur Besichtigung freizugeben

Kurz gesagt

  • Wer in dieser Preisklasse ohne Prüfung besichtigen lässt, zeigt Fremden die Alarmanlage, die Kunst und die Abwesenheiten — und das wiederholt.
  • Wir prüfen vorher die Finanzierbarkeit: Finanzierungsbestätigung oder Eigenkapitalnachweis, bevor ein Termin zustande kommt.
  • Das reduziert die Zahl der Besichtigungen erheblich und erhöht den Anteil derer, die tatsächlich kaufen könnten.
  • Ein Objekt, das nicht öffentlich inseriert wird, erscheint auch nicht in Portalen, aus denen Daten für Preisschätzungen gezogen werden.

Bei einer Eigentumswohnung sind zwanzig Besichtigungen ein gutes Zeichen. Bei einem Haus für zwei Millionen sind sie ein Problem, und zwar ein größeres, als die meisten Eigentümer vor dem ersten Termin ahnen. Diese Seite beschreibt, was dabei tatsächlich passiert und mit welchen Regeln wir es verhindern.

Wer bei einem Millionenobjekt zur Besichtigung kommt

Ein offenes Inserat mit Preis und Bildern erreicht nicht nur Käufer. Es erreicht Nachbarn, die wissen wollen, wie es innen aussieht. Leute, die gerne Häuser ansehen, wie andere Autos ansehen. Wettbewerber, die den Zustand prüfen. Und, in dieser Preisklasse regelmäßig, Menschen mit einem anderen Interesse als dem Kauf.

Was jeder von ihnen mitnimmt, ist mehr als ein Eindruck: wo die Alarmanlage sitzt und ob sie scharf war, welche Fenster sich nicht schließen lassen, was an den Wänden hängt, wo der Safe steht, ob ein Hund da ist, und wann niemand zu Hause ist. Diese Angaben sind nach einer einzigen Besichtigung draußen und nicht mehr zurückzuholen.

Dazu kommt der Preis selbst. Wenn im Ort bekannt ist, was Ihr Haus kosten soll, ist diese Zahl Gesprächsthema, bevor ein Vertrag existiert. Und wenn das Objekt nach sechs Monaten noch inseriert ist, wird aus der Zahl eine Geschichte.

Die sechs Regeln, nach denen wir arbeiten

Keine davon ist ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist, dass sie eingehalten werden:

Was das kostet

Ehrlich: Zeit. Wer vorab eine Finanzierungsbestätigung verlangt, verliert Interessenten, die eine hätten bekommen können, es aber nicht der Mühe wert finden. Wer einzeln statt gesammelt zeigt, braucht für zehn Besichtigungen zehn Termine. Und wer Grundriss und Luftbild zurückhält, bekommt weniger Anfragen.

Der Tausch lautet: weniger Anfragen, von denen mehr ernst sind. In unserer Erfahrung führt das bei hochwertigen Objekten nicht zu einem längeren Verkauf, sondern zu einem kürzeren, weil die Gespräche mit Leuten stattfinden, die kaufen können. Garantieren kann das niemand, und wir sagen Ihnen vorher, dass es Ihre Entscheidung ist.

Bei einem Objekt, das viele Käufer finden kann, etwa in einem Markt mit tiefer Nachfrage, kann der umgekehrte Weg besser sein: offen, breit, schnell. Welcher der beiden Wege zu Ihrem Objekt passt, sagen wir nach der Einwertung und nicht vorher.

Der Teil, der nichts mit dem Preis zu tun hat

Wenn Sie noch in dem Haus wohnen, ist eine Besichtigung ein Fremder in Ihrem Schlafzimmer. Wenn Kinder dort wohnen, ist es ein Fremder in deren Zimmer. Wenn Sie nach einem Todesfall oder in einer Trennung verkaufen, kommt dieser Fremde in eine Wohnung, in der noch alles steht.

Das ist kein weicher Faktor. Es ist der häufigste Grund, warum Verkäufe in diesem Segment abgebrochen werden, und er wird vorher fast nie besprochen. Wir besprechen ihn vorher: welche Räume gezeigt werden, welche nicht, was vorher weggeräumt wird und ob Sie während der Termine im Haus sein wollen oder ausdrücklich nicht.

Häufige Fragen

Warum prüfen Sie Interessenten vor der Besichtigung?

Weil eine Besichtigung in dieser Preisklasse Fremden zeigt, wo die Alarmanlage sitzt, welche Kunst im Haus hängt und wann niemand da ist. Je weniger Termine, desto geringer dieses Risiko. Wir verlangen deshalb vorab eine Finanzierungsbestätigung oder einen Eigenkapitalnachweis, bevor ein Termin zustande kommt.

Verliere ich dadurch nicht Käufer?

Zahlende Käufer nicht. Wer in diesem Segment ernsthaft kauft, hat die Unterlagen ohnehin und findet die Nachfrage normal — in der Schweiz und in Österreich ist sie Standard. Was wegfällt, sind Neugierige und Mitbewerber, die sich Objekte ansehen, um den Markt zu kennen. Der Anteil der Besucher, die tatsächlich kaufen könnten, steigt dadurch deutlich.

Erscheint mein Haus in Portalen, wenn ich es nicht will?

Nein. Ohne Ihre Freigabe wird nichts inseriert. Das hat einen Nebeneffekt, den viele unterschätzen: Ein Objekt, das nie in einem Portal stand, taucht auch nicht in den Daten auf, aus denen später Preisschätzungen gezogen werden — weder Ihre Preisvorstellung noch die Dauer der Vermarktung sind öffentlich nachvollziehbar.

Rechtsgrundlagen dieser Seite

Die auf dieser Seite genannten Vorschriften im Wortlaut der amtlichen Fassung:

Die Verweise führen zu den amtlichen Fassungen beim Bundesministerium der Justiz. Diese Seite ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

Jens Stumpp

Immobilienmakler nach § 34c GewO seit 2002. Die Regel mit der Finanzierungsbestätigung vor der Besichtigung ist die unbeliebteste und die wirksamste.

Stand dieser Seite: Oktober 2026

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