Der Markt
Wo in Deutschland das Millionensegment wirklich liegt
Kurz gesagt
- Im Landkreis Starnberg liegen 61 Prozent aller Wohnangebote über einer Million Euro, in Miesbach 53 Prozent — dort ist eine Million der Normalfall.
- Acht der zehn ersten Plätze liegen in Bayern, konzentriert um München und die oberbayerischen Seen.
- In Berlin liegt nur jedes siebte Angebot darüber, obwohl es die größte Stadt des Landes ist. Der Käuferkreis ist dort klein und ortsungebunden.
- Es sind Angebote auf einem Portal aus dem ersten Halbjahr 2023, keine beurkundeten Verkäufe.
Fast jeder Eigentümer überschätzt oder unterschätzt, wie außergewöhnlich seine Immobilie ist. Diese Seite ordnet das mit Zahlen ein, die sich belegen lassen: In welchen Landkreisen liegt eine Million über dem Durchschnitt, und wo ist sie der Normalfall? Wer das weiß, kann einschätzen, wie groß der Kreis möglicher Käufer für sein Objekt ist.
Eine Million ist nicht überall dasselbe
In den meisten deutschen Landkreisen ist ein Wohnobjekt für eine Million Euro eine Seltenheit, über die im Ort gesprochen wird. In einer Handvoll Kreise ist es die Hälfte des Angebots. Das verändert alles: wie viele Käufer in Frage kommen, wie lange ein Verkauf dauert, ob ein Inserat Nachfrage erzeugt oder nur Öffentlichkeit, und ob ein Preis als selbstverständlich oder als Behauptung gelesen wird.
Die folgende Rangliste zeigt den Anteil der Wohnimmobilien-Angebote oberhalb einer Million Euro. Es sind ausdrücklich Angebote und keine beurkundeten Verkäufe. Angebotspreise liegen regelmäßig über den Preisen, die am Ende bezahlt werden, und sie sagen nichts darüber, wie viele Objekte tatsächlich den Eigentümer gewechselt haben. Als Maß dafür, wo dieses Segment überhaupt ein Markt ist, sind sie trotzdem die beste öffentlich belegbare Zahl.
Anteil der Wohnangebote über einer Million Euro
- Landkreis Starnberg
- 61 %
- Landkreis Miesbach
- 53 %
- Landkreis München
- 38 %
- Landkreis Garmisch-Partenkirchen
- 36 %
- Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen
- 34 %
- Stadt München
- 31 %
- Landkreis Ebersberg
- 30 %
- Landkreis Nordfriesland, darunter Sylt
- 26 %
- Landkreis Rosenheim
- 25 %
- Stadt Baden-Baden
- 24 %
- Stadt Hamburg
- 21 %
- Stadt Frankfurt am Main
- 17 %
- Stadt Berlin
- 14 %
Quelle: Auswertung von ImmoScout24, erstes Halbjahr 2023, veröffentlicht in der Mitteilung Zahl der Immobilien-Millionäre hat sich mehr als verdoppelt. Es handelt sich um Angebote auf einem Portal, nicht um beurkundete Verkäufe, und der Datenstand ist das erste Halbjahr 2023. Eine aktuellere Auswertung in derselben Form ist öffentlich nicht verfügbar. Wir geben die Zahlen deshalb mit Datum an, statt sie als heutigen Stand auszugeben.
Was aus dieser Liste für Eigentümer folgt
Vier Schlüsse, die sich aus der Verteilung ziehen lassen:
- Acht der zehn ersten Plätze liegen in Bayern, konzentriert um München und die oberbayerischen Seen. Wer dort verkauft, verkauft in einem Markt, in dem der Preis keine Erklärung braucht.
- Außerhalb dieser Inseln ist eine Million erklärungsbedürftig. In Berlin liegt nur jedes siebte Angebot darüber, und Berlin ist die größte Stadt des Landes. Das heißt nicht, dass dort nichts zu verkaufen ist, sondern dass der Käuferkreis klein und ortsungebunden ist. Genau solche Käufer findet man nicht über ein Inserat.
- Baden-Baden ist die einzige Stadt in Baden-Württemberg unter den ersten zehn. Mit 24 Prozent liegt sie gleichauf mit Hamburg und vor Frankfurt und Berlin, was viele überrascht, die auf Einwohnerzahlen schauen.
- Der Anteil sagt nichts über die Zahl. Ein Kreis mit 61 Prozent und wenigen tausend Objekten hat weniger Millionenangebote als eine Großstadt mit 14 Prozent. Für einen Verkäufer zählt nicht der Anteil, sondern wie viele kaufkräftige Interessenten erreichbar sind.
Was Sie in Preisangaben aus dem Netz nicht glauben sollten
Für Spitzenlagen kursieren Quadratmeterpreise, die beeindruckend klingen und sich fast nie belegen lassen. Wir haben für diese Seite versucht, solche Angaben für Heidelberg, den Taunus, den Bodensee, Karlsruhe und mehrere Gemeinden im Stuttgarter Umland gegen amtliche Quellen zu prüfen. Für keine dieser Lagen war das möglich: die Zahlen stammen von Maklerseiten oder sind Portalrechnungen für Modellobjekte, und zwei der angegebenen Quellen existierten nicht.
Belastbar sind die Zahlen der Gutachterausschüsse. Sie beruhen auf den tatsächlich beurkundeten Kaufpreisen, werden mit Stichtag veröffentlicht und sind für jede Gemeinde zu bekommen. Bodenrichtwerte sind nach § 196 Baugesetzbuch zu Beginn jedes zweiten Kalenderjahres neu zu ermitteln, eine Zahl ohne Stichtag ist deshalb wertlos. Und ein Bodenrichtwert ist ein Wert für den Boden, nicht für Wohnfläche, beides zu vermischen führt zu Ergebnissen, die um ein Mehrfaches falsch sind.
Deshalb nennen wir in einer Einwertung immer die Quelle und den Stichtag, und wir sagen, welche Zahl wir für Ihr Objekt nicht belegen können. Eine Spanne mit Begründung ist mehr wert als eine runde Zahl ohne.
Warum wir keine Seite pro Villenviertel haben
Viele Maklerseiten führen zwanzig oder vierzig Unterseiten, eine je Lage, mit demselben Text und getauschtem Ortsnamen. Das ist bequem und wir machen es nicht. Google benennt solche Seiten in seinen Richtlinien ausdrücklich als Verstoß, und wichtiger: ein Eigentümer durchschaut es.
Wenn wir über eine Lage schreiben, dann weil wir dort etwas gesehen haben, das nicht in einer Quelle steht. Bis dahin steht hier diese eine Seite mit Zahlen, die sich prüfen lassen. Das ist weniger Umfang und mehr wert.
Häufige Fragen
In welchem Landkreis ist eine Million Euro normal?
Im Landkreis Starnberg liegen 61 Prozent aller Wohnangebote darüber, in Miesbach 53, im Landkreis München 38, in Garmisch-Partenkirchen 36 und in Bad Tölz-Wolfratshausen 34 Prozent. Dort ist eine Million kein außergewöhnlicher Preis, sondern ein üblicher. Außerhalb dieser Inseln ist sie erklärungsbedürftig.
Sind das tatsächlich bezahlte Preise?
Nein, und das ist der wichtigste Vorbehalt. Es sind Angebote auf einem Portal aus dem ersten Halbjahr 2023. Angebotspreise liegen regelmäßig über den Preisen, die am Ende bezahlt werden, und sie sagen nichts darüber, wie viele Objekte wirklich den Eigentümer gewechselt haben. Als Maß dafür, wo dieses Segment überhaupt ein Markt ist, sind sie trotzdem die beste öffentlich belegbare Zahl.
Heißt ein hoher Anteil auch viele Objekte?
Nein. Ein Kreis mit 61 Prozent und wenigen tausend Objekten hat weniger Millionenangebote als eine Großstadt mit 14 Prozent. Für einen Verkäufer zählt nicht der Anteil, sondern wie viele kaufkräftige Interessenten tatsächlich erreichbar sind — und genau die findet man in kleinen Märkten nicht über ein Inserat.
Rechtsgrundlagen dieser Seite
Die auf dieser Seite genannten Vorschriften im Wortlaut der amtlichen Fassung:
- § 196 Baugesetzbuch — Bodenrichtwerte, Ermittlung zu Beginn jedes zweiten Kalenderjahres
- § 34c Gewerbeordnung — Erlaubnis für die Tätigkeit als Immobilienmakler
Die Verweise führen zu den amtlichen Fassungen beim Bundesministerium der Justiz. Diese Seite ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
Jens Stumpp
Immobilienmakler nach § 34c GewO seit 2002, tätig von Ötisheim aus im deutschsprachigen Raum. Die Zahlen auf dieser Seite sind recherchiert und mit Quelle belegt, nicht aus eigener Marktbeobachtung geschätzt.
Stand dieser Seite: Oktober 2026
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